Willkommen

Das Szondi-Institut in Zürich wurde 1969 von Leopold Szondi gegründet und hat als Aufgabe, Psychologinnen und Psychologen in der psychoanalytischen Therapierichtung der «Schicksalsanalyse» auszubilden, das Wissen über die Schicksalsanalyse zu verbreiten und schicksalsanalytische Forschung zu betreiben.

 

Das psychologieforum.ch ist ein Informationsportal für Psychologie und Psychotherapie.

 

 

Quelle: Heft 3.21 Psychodynamische Psychotherapie

Artikel: Mentalisierungsbasierte Psychotherapie1 im höheren Lebensalter (S. 220 – 233)

Autor: Meinolf Peters

 

Zusammenfassung des Inhalts

 

Im Text wird Eingangs darauf hingewiesen, dass die Alterspsychotherapie immer noch auf der Suche nach einem theoretischen und klinischen Fundament ist. Der Autor vermutet, dass die «Mentalisierungsbasierte Psychotherapie» eventuell neue Antworten geben könnte. Knapp wird einleitend auf die Grundlagen des Konzeptes der Mentalisierung eingegangen. Hervorgehoben wird, dass die Mentalisierungsfähigkeit, die im Zentrum des Artikels als Methodenwahl für die Alterspsychotherapie steht, als multidimensionales Konstrukt zu verstehen ist. Dazu gehören die affektive Empathie (Reaktivität und Besorgtheit), soziale Fertigkeiten wie kongnitive Empathie, Verstehen von Ironie und Metaphern, Metakognition (Selbstgewissheit versus Selbstreflexität) und die Einschätzung von Überzeugungen und das Wissen um deren Realität.

Im der den «Grundlagen» folgendem Kapitel «Empirische Befunde zur Mentalisierungsfähigkeit im Alter» werden verschieden Untergruppen formuliert, die jeweils einen bestimmten Problembereich

Im Umgang mit Alten beschreiben. Im folgenden streifen wir stichwortartig die jeweiligen Inhalte:

Im Bereich «Theory-of-Mind-Fähigkeiten (ToM)» geht es darum, die eher geschrumpften Fähigkeiten der Älteren, die Gefühle – negativ wie positiv - und das Wollen anderer Menschen zu erfassen und adäquat darauf zu reagieren.

Im Bereich «Affektwahrnehmung und -regulation» wird festgestellt, dass die Älteren beim Erkennen von negativen Gefühlen wie Ärger oder Trauer beim Gegenüber nicht sehr einfühlsam sei während bei positiven Gefühlen die Freude ohne altersbedingte Hemmung geteilt werde. Ein weiterer Bereich ist die Selbstreflexion und Megakondition.

Im Kapitel «Zwischenfazit» wird darauf hingewiesen, dass Ältere im Gespräch häufig auf ihren Erfahrungsreichtum zurück greifen und um (wahrscheinlich heikle) Situationen zu meistern, «ihre Erzählkompetenz» dominiert. Dass ausufernde Gespräche zu Leben und Erfahrung des/der Älteren das Vertrauen schaffende Umfeld dieser Therapie sind, ist keine Frage – oder wie der Autor schreibt: «Sie sollten in der Lage sein, sich empathisch auf die innere Welt älterer PatientInnen einzulassen und deren Lebensgefühl nachvollziehen können.» Für den/die TherapeutIn gelte es, sich selbst bei der Empathieleistung zu prüfen (wahrscheinlich um ein Abklingen von Empathie und deren Umschlag in Gleichgültigkeit zu vermeiden) und solcherart auch die «eigene Gefühlswelt zu erkunden».

 

Glossar

1Mentalisierungsbasierten Psychotherapie

Mentalisierung ist ein wissenschaftliches Konstrukt für die in der Alltagspsychologie normale Vergegenwärtigung geistiger Vorgänge. Es bedeutet also, affektive und mentale Zustände von Aktivität zu unterscheiden und dabei gleichzeitig als deren Verursacher anzuerkennen.[4] Mentalisierung bedeutet, eine Vorstellung davon zu besitzen, welche geistigen, mentalen, also gedanklichen Gründe für das Verhalten eines Menschen vorliegen könnten. Es umfasst die Fähigkeit, in anderen Menschen wie bei sich selbst Wünsche, Gedanken und Überzeugungen zu vermuten, also mentale, geistige Vorgänge zu sehen, die dem Handeln zugrunde liegen. Ebenso ist es möglich, sich selbst zu mentalisieren, also reflexiv zu erfassen, welche Umstände und Erfahrungen in der Vergangenheit und Gegenwart zu den jetzigen Wünschen, Gedanken und Überzeugungen geführt haben. Um diese Fähigkeit zu entwickeln, ist es notwendig, eine grundlegende Vorstellung von dem Mentalen zu entwickeln. (Wikipedia)

 

 

 

 

 


Voneinander lernen: wie werden Angehörige erreicht? 

Selbstmanagement-Förderung bei nichtübertragbaren Krankheiten, Sucht und
psychischen Erkrankungen


Liebe Stakeholder der Selbstmanagement-Förderung

Wir freuen uns sehr, Sie für das Forum SELF 2021 am 09. November 2021 von 13.00 – 17.15 Uhr einladen zu können. Gerne lassen wir Ihnen das Programm zukommen. Das Forum findet im Wankdorf, Bern, statt. Für die Teilnahme wird ein Covid-Zertifikat erforderlich sein.

Um die Interaktion untereinander zu fördern und voneinander profitieren zu können, wird der Grossteil der Workshops im Hackathon-Format durchgeführt. Mittels Umfrage werden Ihre «Herausforderungen in der Praxis» gesammelt und in den Workshops gemeinsam Lösungsansätze gesucht. Bitte nehmen Sie an der kurzen Umfrage bis am 26. Oktober 2021 teil, damit wir Ihre Heraus-forderungen aufnehmen können: Umfrage

Die Anmeldung können Sie hier vornehmen: Anmeldeformular

Wir laden Sie ein, sich bis am 26. Oktober 2021 einzuschreiben. Eine Woche vor dem Anlass werden Sie für die Auswahl der Workshops eingeladen werden.

Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen am Forum SELF 2021!

Mit freundlichen Grüssen

 

 Borderline: Ein Leben in extremis

NZZ-Artikel vom 12. Juli 2021

"Das Boderline-Syndrom ist für Aussenstehende schwer zu verstehen. Wer die Krankheit hat, wird stark stigmatisiert. Das Gefühlschaos kann überwältigend sein. Doch es gibt Patienten, die gut damit leben."

Autorinnen: Natalie Wenger, Dorothee Vögeli, Selina Schmid

 

Resonanzen in der therapeutischen Beziehung

Psychosomatische Ansätze in der Psychotherapie

Zusammenfassung: "Ausgehend von neuen Forschungsansätzen wird der Resonanzbegriff in seiner Relevanz für die Psychosomatik dargestellt. Aus der Medizin wird die Leibphänomenlogie, aus der Neurophysiologie werden neuronale Synchronisierung und Spiegelneurone, aus der Physik wird die fundamentale Verstärkung von Schwingungen durch Resonanz, aus der Soziologie werden die 'anwortende' und die 'stumme' Weltbeziehung (Rosa) in die Überlegungen mit einbezogen. Eine Theorie der Weltbeziehungen durch Resonanz wird in Grundzügen angedeutet und mit Beispielen belegt.

Es wird gezeigt, dass wesentliche psychosomatische Grundbegriffe durch die Theorie der Resonanz in ein helleres Licht gerückt werden können. So lassen sich beispielsweise die Einheit von Leibund Seele (bzw. Geist oder Ich), Leibgedächtnis und Erinnerung, die Umwelt als Resonanzraum der Sinne und schliesslich der Ruhezustand (Innehalten, Nichthandeln) in ihrer Dynamik verdeutlichen.

Eine besondere Bedeutung hat die Einbeziehung von Resonanzprozessen für die Hirnfunktion. Anstelle einer Hirntheorie, die den Geist in den Nervennetze mystifizierend hinein projiziert, ist Geist im ganzen Leib und in jeder Zelle vorhanden. Nicht der Dualismus von Körper und Geist inm Sinne von Descartes, sondern die Leib-Seele-Geist-Einheit (monas) im Sinne von Leibnitz ist dafür ein geeigneter Denkansatz: Gehirn und übriger Leib stehen nicht in einem kausalen, sondern in einem partnerschaftlichen Verhältnis. Die Theorie einer zerebralen Steuerfunktion dürfte demnach künftig durch eine Resonanztheorie des Gehirns abgelöst werden."

Der Artikel wurde in "Psychotherapie-Wissenschaft" 7(2) 39 - 48 2017 veröffentlicht.

Autor:Dr.med. Hans Jürgen Scheurle, Kontakt: sinnespark@t-online.de

 

 

 Meditieren mit Nebenwirkungen

 

"In der kürzlich veröffentlichten US-Studie (Boston University, Clinical Psychological Science) unterzogen sich 96 Teilnehmer einer Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie. Sie wurden im ersten Monat von Achtsamkeitstrainern angeleitet und praktizierten im folgenden Monat allein zu Hause, im Schnitt eine halbe Stunde pro Tag. Vier von zehn Teilnehmern hatten eine Depression, jeder dritte nahm Antidepressiva.

Durch das Training besserten sich die Symptome wie Antriebslosigkeit oder gedrückte Stimmung deutlich, aber das erkauften sich viele mit unangenehmen Erlebnissen. 266 Symptome konnten mit dem Achtsamkeitstraining in Verbindung gebracht werden. Das waren zum Beispiel Schlafstörungen, Angst- oder Panikgefühle, ein Wiedererleben traumatischer Erlebnisse, Verzerrungen von Zeit und Raum oder Selbstentfremdung. 56 der 96 Teilnehmer, also mehr als die Hälfte, erlebten mindestens ein Ereignis, das sie als negativ bewerteten. Jeder dritte fühlte sich im Alltag beeinträchtigt und wünschte eine Änderung der Behandlung."

Quelle: Zitat aus einem Artikel der "NZZ am Sonntag" vom 27. Juni 2021, Autorin: Felcitas Witte

 

 

Psychologie berufegesetz: Wichtige Änderungen

Akkreditierungskriterien und Qualitätsstandards

 

Anhand der gesetzlich festgelegten Akkreditierungskriterien sowie definierter Qualitätsstandards wird im Rahmen der Akkreditierung überprüft, ob die Weiterbildungsgänge den Anforderungen des Psychologieberufegesetzes entsprechen.

 

Akkreditierungskriterien

Im Psychologieberufegesetz sind die Anforderungen an die Weiterbildungsgänge, die im Rahmen der Akkreditierung überprüft werden, in Form von Akkreditierungskriterien festgehalten (Art. 13). Um die Überprüfung jenes zentralen Akkreditierungskriteriums zu ermöglichen, das auf die Erreichung der vom Gesetz in Artikel 5 vorgegebenen Weiterbildungsziele ausgerichtet ist (Art. 13 Abs. 1 Bst. b), wurden Qualitätsstandards formuliert.

 

Qualitätsstandards

Diese Standards wurden vom Bundesamt für Gesundheit BAG - in Zusammenarbeit mit der Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung AAQ - auf der Basis der im Psychologieberufegesetz enthaltenen gesetzlichen Bestimmungen, in der Schweiz geltender Standards sowie internationaler Vorgaben entworfen und im Gespräch mit Fachpersonen aus den jeweiligen Bereichen angepasst und finalisiert.

 

Dokumente zur Einreichung der Akkreditierungsgesuche

Der Leitfaden zum Akkreditierungsverfahren enthält detaillierte Ausführungen und Richtlinien zu jedem einzelnen Aspekt der Akkreditierung nach PsyG, zur Erstellung des Selbstevaluationsberichts sowie zum Ablauf der Fremdevaluation.

Den Leitfaden zum Akkreditierungsverfahren, die Qualitätsstandards sowie die Vorlagen für das Akkreditierungsgesuch und den Selbstevaluationsbericht finden sich für die verschiedenen Fachbereiche gesondert in den folgenden Listen:

  • Psychotherapie
  • Kinder- und Jugendpsychologie
  • Neuropsychologie
  • Gesundheitspsychologie
  • Klinische Psychologie

 

Wichtiger Hinweis
Im Rahmen der Teilrevision der AkkredV-PsyG, die am 15. Dezember 2020 in Kraft getreten ist, wurde Anhang 1 betreffend die Qualitätsstandards für das Fachgebiet der Psychotherapie angepasst. Die Dokumente und Vorlagen zum Akkreditierungsverfahren in diesem Bereich wurden entsprechend aktualisiert.

Bitte nutzen Sie nur die Dokumente vom 15. Dezember 2020!

 

 

Von der Steinzeit ins Internet

Wir sind die Sklaven unserer Reize

 

Eine Feststellung des Neuropsychologen Lutz Jäncke von der Universität Zürich in einem Interview mit der Zürcher Tages-Anzeiger.

In seinem neuesten Buch «Von der Steinzeit ins Internet» beschäftigt sich Lutz Jäncke mit den Gefahren und Verlockungen der Digitalisierung wie sie durch die enorme Masse an Informationen in Form von Text, Ton und Bild geschaffen und vermittelt werden. Wir zitieren aus dem Interview eine Kernaussage des Neuropsychologen:

«Frage: Was können Eltern tun, damit ihre Kinder im digitalen Dickicht nicht verloren gehen?

Weil bei Kindern und Jugendlichen der Frontalkortex (Der Frontalkortex spielt eine zentrale Rolle bei Handlungsplanung, -ausführung und Handlungskontrolle sowie für das Langzeitgedächtnis und das Lösen von Problemen) noch nicht ausgereift ist, fehlt es ihnen oft an Selbstdisziplin und Selbstkontrolle. Viele haben deshalb auch Schwierigkeiten mit der Konzentration und sind besonders anfällig für die verlockenden ‘Lust-Impulse’ aus dem Internet. Das macht sie reizgetriebener, so dass sie am Schluss nicht mehr die Agenten ihres eigenen Handelns sind. In solchen Fällen müssen Eltern Regeln mit dem Umgang der digitalen Medien aufstellen und dadurch den noch nicht vollständig ausgebildeten Frontalkortex ‘ersetzen’. Auch digitale Auszeiten, das sogenannte Digital Detox, sind immer hilfreich.»

Tags: Internet, Frotallkortex, digital Detox

Quelle: Tages-Anzeiger, 27.05.2021, S.36

 

Buch zum Thema: Lutz Jäncke, «Von der Steinzeit ins Internet. Der analoge Mensch in der digitalen Welt.», Hogrefe, 2021, Fr. 33.--

 

Das aktuelle Buch:

Isabelle Mansuy u.a.: „Wir können unsere Gene steuern“

 

Wie die Umwelt unser Erbgut beeinflusst

Von Michael Lange

 

 

Neurowissenschaftlerin Isabelle Mansuy hat mit „Wir können unsere Gene steuern“ einen faktenreichen Überblick zur Epigenetik vorgelegt. Ihr wissen reicht sie zudem als Ratschläge weiter, wie man seine Zellen schützen kann.

Unsere Umwelt, was wir erleben, wie wir uns ernähren, diese Einflüsse prägen nicht nur unsere eigene Gesundheit und unseren Charakter, wir vererben diese Einflüsse auch an unsere Nachkommen weiter. Die Wissenschaft der Epigenetik liefert dazu viele Erkenntnisse und bringt so auch gesichert geglaubtes Wissen ins Wanken.

 

Neueste Forschungsergebnisse

Die Neurowissenschaftlerin Isabelle Mansuy verknüpft in ihrem Buch neueste Forschungsergebnisse aus der Epigenetik mit Ratschlägen für ein gesünderes und glücklicheres Leben. Obwohl sie sich mit dem Psychotherapeuten Jean-Michel Gurret und der Journalistin Alix Lefief-Delcourt zusammengetan hat, ist es sehr sachlich gehalten und kommt (leider) nicht ohne zahlreiche Fachbegriffe aus.

 

Zwei Drittel des Buches referiert Mansuy den aktuellen Forschungsstand. Ausführlich beschreibt sie, welche biochemischen Mechanismen die Aktivität unserer Gene steuern und wie Faktoren aus der Umwelt unsere DNA beeinflussen können.

 

Beispielsweise

So wirkte sich eine Hungersnot in den Niederlanden nicht nur auf die Gesundheit der Betroffenen aus, sondern auch auf deren Kinder und Enkel. Auch traumatische Erlebnisse, wie die Terroranschläge vom 11. September 2001, hinterlassen biologische Spuren in den Zellen der Überlebenden und ihrer Nachkommen.

Von Mäusen und Menschen 

Einige biochemische Einflüsse sind inzwischen im Detail erforscht, andere sind nach wie vor rätselhaft. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sind Versuche mit Mäusen und Ratten, die im Labor besonderen Stresssituationen ausgesetzt wurden.

Wenn zum Beispiel kleine Mäuse von ihrer Mutter getrennt werden, ändert sich die Aktivität ihrer Gene und die Mäuse werden stressanfällig. Das hat erhebliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit wie auch auf die Nachkommen. Sie werden stressempfindlicher und gehen mehr Risiken ein. 

 

Im letzten Drittel wird das Buch zum Ratgeber. Die praktischen Hinweise sind verständlich und hilfreich, wenn auch wenig überraschend. Wer die Epigenetik seiner Zellen schützen möchte, sollte Tabak, Alkohol, Drogen und Pestizide meiden.

Eine zum großen Teil pflanzliche Ernährung und ausreichend Bewegung nützt der Epigenetik und damit der Gesundheit. Auch Meditation, Psychotherapie oder das Hören von Musik haben Wirkung auf die Aktivität der Gene und gehören somit zu den Umweltfaktoren, die die Epigenetik positiv beeinflussen.

Mansuy greift eines der wichtigsten Wissenschaftsthemen unserer Zeit auf. Wer bereit ist, auch schwierigere Passagen dieses faktenreichen Buches zu lesen, erfährt viel über das Zusammenwirken von Erbgut und Umwelt.

Beurteilung durch den "Bücherwurm" des pschologieforums:  *****   anspruchsvoll, instruktiv

 

Quelle:  Deutschlandfunk Kultur

Isabelle M. Mansuy, Jean-Michel Gurret, Alix Lefief-Delcourt: „Wir können unsere Gene steuern. Die Chancen der Epigenetik für ein gesundes und glückliches Leben“
Aus dem Französischen von Martin Zwilling, Berlin Verlag, Berlin 2020
430 Seiten, 26 Euro/Fr. 31.90, e-bbok: ca. Fr. 22.90

 

Isabelle M. Mansuy ist Professorin für Neuroepigenetik an der Universität Zürich und der Eidg. Technischen Hochschule (ETH), Co-Direktorin des Hirnforschungsinstituts der Universität Zürich und stellvertretende Leiterin des Instituts für Neurowissenschaften an der ETH.

 

 

szondi-impuls!

Schuld und Sühne: Ahnenzwang

 

Unsere Vorfahren, die Ahnen, rumoren in der familiären Cloud (siehe Texte Nr. 3 und Nr. 4 von «szondi-impuls!» auf www.szondi.ch). Alte Schuld, verdrängte Untaten und böse Handlungen sollen gesühnt, aufgelöst, bereut und zur Wiedergutmachung gebracht werden. Dabei unterscheiden wir familiäre Schuldlasten von Schuld die wir persönlich auf uns geladen haben.

 

Die aktuelle Auswirkung dieser Schuldkomplexe zeigt sich für uns in Charakterschwächen, bösartigem und Schaden stiftendem Verhalten und psychischen Störungen. Wir leiden unter unserer Vergangenheit. Daraus entsteht ein Wiederholungszwang, den wir selbst inszenieren: «Wir produzieren es nicht als Erinnerung, sondern als Tat» (Szondi, 1963, 227). Aber wir wissen es nicht, denn Schuld ist im Unbewussten festgeschrieben.

 

Auf welchem Weg sich die eigene Vergangenheit in uns eingenistet hat ist offen:

Wenn wir an die Seelenwanderung glauben, dann ist die Seele das Trägermedium und zugleich das Wesen, das durch Untaten aller Art verletzt worden ist und wieder geheilt werden soll. Das ist die Grundlage des Konzepts einer transgenerationalen Sühne.

 

Nehmen wir als Medium die Gene an, dann gehen wir davon aus, dass die unguten Taten sich als psychische Impulse – in der Schicksalsanalyse als «Ahnenanspruch» oder Ahnenvermächtnis bezeichnet – mittels epigenetischen Speichervorgängen in den Genen eingeprägt haben.

 

Das Konzept der morphogenetischen Felder setzt die Annahme voraus, dass psychische und biologische Zustände in einem übergeordneten Funktionscode organisiert sind, der mit psychischen, biologischen und Umweltveränderungen in eine Wechselwirkung tritt und Veränderungen nach lebensfördernd oder lebensbedrohend selektioniert. Die morphogenetischen Felder sind das Medium der Veränderung.   

Klar ist, dass die Schuld aus vergangener Zeit sich wie ein Zwang über unser Leben legt. Es entwickelt sich im Menschen ein Schuldbewusstsein und ein Strafbedürfnis aber kein Wissen um die aus vergangener Zeit herrührende Schuldursache die eben Sühne verlangt und Strafe fordert.

 

Was konkret tun? Hier kommt das Positive, nämlich die Möglichkeit, aus unserer psychischen Erbmasse intuitiv die Stärken in uns zu mobilisieren, die unsere Wahl in den verschiedensten Lebenslagen und Lebenserfordernissen in die richtige Richtung steuern. Je nach dem, welche Ahnenschuld es zu tilgen gilt, wählen wir Partnerschaft, Freundschaften, Beruf, soziales Engagement und alle weiteren Aktivitäten, die Leid verhindern, Zwang vermeiden und nicht neues Unglück schafften. Dabei kann es häufig sein, dass wir Ungerechtigkeiten erdulden und im Sühnevorgang empörende Benachteiligungen in Kauf nehmen müssen. Im Beitrag Nr. 5 haben wir geschrieben: «Mobilisieren Sie das ErbGUT der Vorfahren zu Ihrer Unterstützung.» 

 

Schuldgefühle können auch sehr gefährlich werden: Das Gefühl kann unter Umständen nicht bearbeitet werden, da es beispielsweise der triebhafte Narzissmus oder Sadismus oder eine ungestillte Rachesucht nicht erlaubt. Dies führt in einem Wiederholungszwang zu Taten, die denjenigen der Vorfahren gleichen. Szondi führt in diesem Zusammenhang einen Fall an, in dem der Patient unter schweren Selbstbeschuldigungsideen und suizidalen Neigungen litt: Im Stammbaum des Patienten finden sich zwei Mörder und drei Selbstmörder (Szondi 1963, 237). Eine solche äusserst belastende familiäre Vergangenheit kann Wahnvorstellungen und Wiederholungszwang auslösen. Darunter finden sich Erbneurosen, Paranoia, Schizophrenie.

 

Tags: Gene, Schuld, Sühne, morphogenetische Felder, Seelenwanderung, Ahnenanspruch, Wahn, Wiederholungszwang, Selbstbeschuldigung, Narzissmus, Sadismus

06.05.2021

 

 

Psychologieberufegesetz

Hauruck des BAG bei den Qualitätsstandards in der Psychotherapie

 

«Die neue Akkreditierungsverordnung zum PsyG verlangt unter Qualitätsstandard 2.1.2, lit. f neu eine «Evaluation und Dokumentation des Therapieverlaufs und seiner Ergebnisse, qualitative und quantitative, wissenschaftlich validierte Instrumente der Therapieevaluation auf Patientenebene, Falldokumentation.» Im Hinblick auf die Reakkreditierung müssen die verantwortlichen Organisationen (VO) eine solche Evaluation in ihren Weiterbildungsgang einbauen, soweit sie dies nicht schon im Rahmen der erteilten Auflagen tun mussten.

 

Am 22. August 2019 schrieb Josef Jung vom Institut KJF dem BAG im Namen von 23 mitunterzeichnenden Weiterbildungsgängen einen Brief mit dem Begehren, dass ein physisches Treffen einberufen würde zur Evaluation des Akkreditierungsverfahrens, noch bevor Entscheidungen zur neuen Verordnung gefällt würden im BAG. Frau Marianne Gertsch sicherte dies für das erste Quartal 2020 zu, doch konnte diese Veranstaltung wegen COVID-19 Restriktionen nicht stattfinden. So trat nun eine Verordnung in Kraft, welche diesen umstrittenen Qualitätsstandard ohne Diskussion mit den Weiterbildungsanbietern enthält. Auf Bitte von Josef Jung übernahm es die ASP, eine Tagung zu diesem Thema zu veranstalten.»

 

Am 19. Juni 2021 soll nun eine Online-Konferenz unter den Weiterbildungsinstitutionen der Psychotherapie über diese massive Verschärfung der Akkreditierungsbedingungen für Psychotherapie und -analyse diskutieren. Doch dies dürfte l’Art pour l’Art sein, denn das BAG hat sich in Fragen des Psychologieberufegesetzes als ausserordentlich beratungsimmun gezeigt. Genauer gesagt: der Weg der gesetzlich festgeschriebenen Psychotherapieausbildung wird vom BAG immer mehr in die Gefilde der medizinisch ausgerichteten Kontrollkonzepte geführt, dazu gehören unter anderem die Kriterien der sog. Evidenzbasierten Medizin (evidence-based medicine).

 

Quelle: Mitteilung Nr. 28/2021 der Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen (ASP)

Tags: Psychologieberufegesetz, evidenzbasiert, BAG, Qualitätsstandard, Akkreditierungsverordnung, Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen (ASP)

06.05.2021

 

Forschungsprojekt des Instituts für Psychologie der Universität Bern

 

Internetbasierte Interventionen

 
 
Psychische Störungen wie Depressionen und Angststörungen sind weit verbreitet und erzeugen einen hohen Leidensdruck bei Betroffenen und Angehörigen. Obwohl die psychologische und medikamentöse Therapie viele Fortschritte gemacht hat und viele psychische Störungen erfolgreich behandelt werden können, konnte die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung bisher nicht reduziert werden. Das liegt u.a. daran, dass viele Betroffene keine professionelle Hilfe suchen oder finden. Wir glauben, dass wir neben den bestehenden Versorgungsmöglichkeiten (z.B. Psychotherapie) eine Vielfalt an psychosozialen Angeboten brauchen, um die Häufigkeit psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft zu reduzieren. Zu den viel versprechensten ergänzenden Versorgungsansätzen gehören seit einigen Jahren internetvermittelte Interventionen. Diese können leicht verbreitet, von überall und relativ anonym genutzt werden, und sie haben sich in vielen Studien bereits als wirksam erwiesen.
 
Unser Ziel ist es, empirisch-fundiertes Wissen zu folgenden Fragen zu erarbeiten:
 
Welche Formen internetbasierter Interventionen sind wirksam?
 
Wer kann von (welchen) internetbasierten Interventionen profitieren?
 
Wie wirken internetbasierte Interventionen?
 
Wie können internetbasierte Interventionen mit traditionellen Ansätzen (z.B. Psychotherapie) kombiniert werden?
 
Wie und unter welchen Bedingungen sollen und können internetbasierte Ansätze in die Regelversorgung implementiert werden?

 

Testpsychologie

Szondi-Test

 

Das Handbuch zum Szondi-Test liegt. Auf 165 Seiten wird sehr übersichtlich, reichlich illustriert der Bildertest von Szondi vorgestellt. Der sog. Szondi-Test wird als projektiver oder Deutungstest im Verfahren der schicksalsanalytischen und psychoanalytischen Therapie verwendet. Die Auswertung der Testresultate ist hoch formalisiert und strukturiert.

 

Szondi-Verlag 2019, ISBN 978-3-9523516-4-2  Bezugsquelle: Buchhandel oder beim Szondi-Institut (info@szondi.ch) zum Preise von Fr. 42.--/40.-- Euro

Aktuelle Psychotherapie

Die Covid-19-Pandemie und die Psyche

 

Erkenntnisse und Implikationen für die Forschung und Praxis aus Sicht der Klinischen Psychologie und Psychotherapie.

 

«In diesem Positionspapier erfolgt eine wissenschaftlich differenzierte Betrachtung der psychologischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf verschiedene Altersstufen sowie psychische Vulnerabilitäten und Störungsbilder, wobei auch Chancen für die psychische Gesundheit und psychotherapeutische Versorgung diskutiert werden. Basierend auf den Befunden werden abschliessend u.a. folgende gesundheitspolitische Ziele und Massnahmen abgeleitet: Implementierung von universellen und indizierten modularen Präventionsangeboten sowie Anpassung der evidenzbasierten Richtlinienpsychotherapien hinsichtlich Bedarf, Inhalt und Modalität.»

 

Quelle: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 1/2020

Elektronischer Volltext: econtent.hogrefe.com

14.04.2021

Testpsychologie

Freiburger Persönlichkeitsinventar

 

Neunte vollständig überarbeitete Auflage mit neuer Normierung und Validitätshinweisen, Prinzipien der Testkonstruktion und moderne Assessmenttheorie.

 

«Das Freiburger Persönlichkeitsinventar ist ein weit verbreiteter Test, dessen138 Items für 10 Skalen ausgewertet wurden: Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, Beanspruchung, Körperliche Beschwerden, Gesundheitssorgen, Offenheit; ausserdem hinsichtlich der zwei Sekundärskalen Extraversion und Emotionalität im Sinne Eysencks.»

 

www.hogrefe.com

14.04.2021

Epigenetik

Frühes Trauma wirkt sich auf den Stoffwechsel der Nachkommen aus

 

Schlimme Erlebnisse in der Kindheit können sich nicht nur auf die Psyche auswirken, sondern verändern offenbar auch die Blutzusammensetzung der Betroffenen (…). Eine neue Studie von Forschenden* um die Neuroepigenetik-Professorin Isabelle Mansuy der Universität Zürich.

 

Quelle: psychoscope 1/21, media.uzh.ch

*Glossar: Forschende sind solche, die sich aktuell mit Forschungsarbeiten beschäftigen und nicht von Beruf Forscher sind.

Testpsychologie

Szondi-Test

 

Das Handbuch zum Szondi-Test liegt. Auf 165 Seiten wird sehr übersichtlich, reichlich illustriert der Bildertest von Szondi vorgestellt. Der sog. Szondi-Test wird als projektiver oder Deutungstest im Verfahren der schicksalsanalytischen und psychoanalytischen Therapie verwendet. Die Auswertung der Testresultate ist hoch formalisiert und strukturiert.

 

Szondi-Verlag 2019, ISBN 978-3-9523516-4-2  Bezugsquelle: Buchhandel oder beim Szondi-Institut (info@szondi.ch) zum Preise von Fr. 42.--/40.-- Euro

 

Testpsychologie

Freiburger Persönlichkeitsinventar

 

Neunte vollständig überarbeitete Auflage mit neuer Normierung und Validitätshinweisen, Prinzipien der Testkonstruktion und moderne Assessmenttheorie.

 

«Das Freiburger Persönlichkeitsinventar ist ein weit verbreiteter Test, dessen138 Items für 10 Skalen ausgewertet wurden: Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung, Leistungsorientierung, Gehemmtheit, Erregbarkeit, Aggressivität, Beanspruchung, Körperliche Beschwerden, Gesundheitssorgen, Offenheit; ausserdem hinsichtlich der zwei Sekundärskalen Extraversion und Emotionalität im Sinne Eysencks.»

 

www.hogrefe.com

14.04.2021